{"id":1509,"date":"2019-08-30T12:54:50","date_gmt":"2019-08-30T10:54:50","guid":{"rendered":"https:\/\/prokernberge.de\/?p=1509"},"modified":"2020-10-02T08:32:20","modified_gmt":"2020-10-02T06:32:20","slug":"die-anfaenge-des-sports-im-kernbergviertel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/prokernberge.de\/?p=1509","title":{"rendered":"Die Anf\u00e4nge des Sports im Kernbergviertel"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Vortrag von Dr. Hans-Georg Kremer am 7. Mai 2019 in der Talschule<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ortsteil Kernberge ist mit dem Ernst-Abbe-Sportfeld und den zahlreichen daran angrenzenden Sportanlagen, mit dem benachbarten Universit\u00e4tssportzentrum, der \u201eMuskelkirche\u201c und den zugeh\u00f6rigen \u00dcbungshallen und \u00dcbungspl\u00e4tzen, sowie mit dem s\u00fcdlich daran anschlie\u00dfenden Sportgymnasium \u201eJohann Chr. Fr. GuthsMuths\u201c und dessen vielf\u00e4ltigen Trainingsst\u00e4tten gleichsam das Herz des Jenaer Sports. Hier wurde seit Jahrzehnten \u201edas gesamte Panorama von Sportarten\u201c betrieben, \u201cdas die Menschheit bisher hervorgebracht hat\u201c (Hans-Georg Kremer), und wurde und wird immer wieder&nbsp; gro\u00dfe Sportgeschichte geschrieben. Wie kam es, da\u00df gerade das Gel\u00e4nde am Fu\u00dfe der Kernberge mit einer solchen Konzentration bedeutender Sportst\u00e4tten derart zentrale Bedeutung f\u00fcr Jena als \u201eSportstadt\u201c gewann?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser so spannenden Frage f\u00fcr unseren Ortsteil galt der 6. Vortrag unserer Reihe \u201eDas Kernbergviertel \u2013 Wurzeln und Wachstum\u201c am 7. Mai in der Talschule. F\u00fcr ihn konnten wir den derzeit besten Kenner der Jenaer Sportgeschichte, den bekannten Sporthistoriker und langj\u00e4hrigen Mitarbeiter am Sportwissenschaftlichen Institut der Universit\u00e4t Jena, Herrn Dr. Hans-Georg Kremer, gewinnen. In seinem Vortrag&nbsp; \u201eDie Anf\u00e4nge des Sports im Kernbergviertel\u201c richtete Dr. Kremer vor einer gro\u00dfen, ihm gebannt folgenden H\u00f6rerschaft den Blick zun\u00e4chst auf wichtige fr\u00fche Stationen des Sports in Jena wie das 1567 erw\u00e4hnte \u00f6ffentliche Ball- und Kegelspielen auf der Landveste in der Saalevorstadt, das 1670 genannte \u201eBallhaus\u201c f\u00fcr das Ballspiel und andere Sportarten und den 1859 gegr\u00fcndeten Turnverein mit seiner 1895 eingeweihten gro\u00dfen Turnhalle in der Lutherstra\u00dfe. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/prokernberge.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_7737-1024x768.jpeg\" alt=\"Vortrag 07.05.19\" class=\"wp-image-1510\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/prokernberge.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_7737-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/prokernberge.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_7737-300x225.jpeg 300w, https:\/\/prokernberge.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/IMG_7737-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Daran anschlie\u00dfend w\u00fcrdigte er als den eigentlichen Begr\u00fcnder und \u201eVater des Jenaer Sports\u201c ausf\u00fchrlich den Jenaer Gymnasial-Turnlehrer Hermann Peter (1856-1928). Dieser war f\u00fchrend an der Gr\u00fcndung des ersten Fu\u00dfballvereins in Jena&nbsp; 1893 beteiligt und setzte sich in der Folgezeit f\u00fcr die Gr\u00fcndung von Vereinen f\u00fcr das Rudern, Tennis und die Leichtathletik in der Oberaue ein. Besondere Bedeutung gewann er aber vor allem durch seine weitsichtige Gr\u00fcndung eines \u201eVereins zur Herstellung eines Spielplatzes\u201c im Jahre 1893. F\u00fcr diesen Verein erwarb Peter umfangreiche L\u00e4ndereien auf den W\u00f6llnitzer Wiesen, auf denen Spielfelder und Sportpl\u00e4tze f\u00fcr Ballspiele, Tennis und Leichtathletik angelegt wurden, die s\u00e4mtlichen Schulen, Vereinen und der gesamten Jenaer B\u00fcrgerschaft offenstanden.&nbsp; Damit legte er die entscheidenden Grundlagen f\u00fcr den Aufstieg der Oberaue zum Zentrum des Jenaer Sports. Da\u00df die Wahl gerade auf die Oberaue fiel, lag an&nbsp; deren guter Erreichbarkeit, ihren ausgedehnten ebenen Fl\u00e4chen und dem g\u00fcnstigen finanziellen Rahmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei seiner Darstellung der weiteren Entwicklung ging Dr. Kremer vor allem auf die Gr\u00fcndung des Fu\u00dfball-Clubs \u201cCarl Zei\u00df\u201c in der Oberaue im Jahre 1903 ein, der sich, nachdem ihm weitere Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen, Hockey und Tennis integriert wurden, 1917 in \u201e1. Sportverein Jena\u201c umbenannte, und verwies auf die Anlage von 32 Tennispl\u00e4tzen 1910 auf dem Gel\u00e4nde des Spielplatzvereins und den hier 1911 mit einer eigenen Fu\u00dfballabteilung gegr\u00fcndeten \u201eVerein f\u00fcr Bewegungsspiele\u201c (den sp\u00e4teren Universit\u00e4ts-Sportvereins). Weitere wichtige Etappen waren 1911 der Plan der Weimarer Regierung zur Einrichtung eines \u201eLandesinstituts zur Ausbildung von Turnlehrern und Sportwarten\u201c, das der Jenaer Universit\u00e4t angegliedert werden sollte, und der gleichzeitige Regierungsauftrag an die Universit\u00e4t, die Ausbildung von Sportlehrern zu \u00fcbernehmen. Als Folge hiervon kaufte die Universit\u00e4t 1914 das gesamte Gebiet in der Oberaue einschlie\u00dflich der vorhandenen Sportst\u00e4tten dem schwer erkrankten Hermann Peter und dessen Spielplatzverein ab und machte die Anlagen, die der Bev\u00f6lkerung weiter offenstanden, zum Zentrum ihrer Ausbildungst\u00e4tigkeit \u2013 die Anf\u00e4nge des heutigen Sportwissenschaftlichen Instituts.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Konzentration von Sportst\u00e4tten in der Oberaue weiter zu. 1920 begann der \u201e1. Sportverein Jena\u201c (der sp\u00e4tere FC Carl Zeiss Jena) 1920 mit den Planungen und der Errichtung eines eigenen Stadions mit mehreren angegliederten Rasensportpl\u00e4tzen&nbsp; auf einem von der Universit\u00e4t ertauschten Gel\u00e4nde, das 1924 eingeweiht wurde \u2013 dem Kern und Vorg\u00e4nger des heutigen Ernst-Abbe-Stadions. Gleichzeitig schaltete sich auch die Stadt mit ihrem 1920 gegr\u00fcndeten \u201eSportamt\u201c st\u00e4rker in den Ausbau der Sportst\u00e4tten in der Oberaue ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Baulich markantestes Zeichen der nun entstehenden vielf\u00e4ltigen Sportanlagen war neben dem Stadion die sog. \u201eMuskelkirche\u201c, der sich Dr. Kremer im letzten Teil seines Vortrags ausf\u00fchrlich zuwandte. Die Planungen f\u00fcr sie setzten 1926 ein, nachdem die schon 1911 geplante \u201eTh\u00fcringische Landesturnanstalt\u201c mit Sitz in der Oberaue 1925 von der th\u00fcringischen Landesregierung gegr\u00fcndet und als gleichzeitig an der Jenaer Universit\u00e4t als erster deutschen Hochschule der obligatorische Sportunterricht f\u00fcr alle Studierenden eingef\u00fchrt wurde.&nbsp; Vorgesehen war ein repr\u00e4sentativer Geb\u00e4udekomplex, der auch eine neue Universit\u00e4tssporthalle sowie eine kleinere Turnhalle und getrennte Internatsgeb\u00e4ude&nbsp; f\u00fcr M\u00e4dchen und Jungen beherbergen sollte. Mit seiner Erbauung wurde 1926 der Regierungsbaumeister Jakob Schrammen (1871-1944) beauftragt, der als h\u00f6herer Ministerialbeamter im Th\u00fcringer Finanzministerium t\u00e4tig war und nur geringe Reputation als Architekt nur besa\u00df. Sein Entwurf, der ein \u201eSammelsurium von Stilelementen\u201c (Kristin Knebel) historistischer Pr\u00e4gung verk\u00f6rperte, entsprach voll den Vorstellungen seiner Auftraggeber in der damaligen rechtskonservativen Landesregierung, die der Heimatkunstbewegung nahestanden und 1925 das Bauhaus aus Weimar vertrieben hatten. Diese politischen Hintergr\u00fcnde erkl\u00e4ren es, weshalb an dieser wichtigen Stelle ein Bauwerk entstand, das statt der&nbsp; Modernit\u00e4t und Funktionalit\u00e4t des damaligen Bauhausstils r\u00fcckw\u00e4rts gewandten Bauformen verpflichtet war und das, im Volksmund eher sp\u00f6ttisch als \u201eMuskelkirche\u201c bezeichnet, in der Presse schon vor seiner Vollendung als \u201eSchande\u201c betrachtet wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Er\u00f6ffnung der Landesturnanstalt im Jahre 1929 stellte einen ersten Abschlu\u00df der Entwicklung der Oberaue zum Zentrum des Jenaer Sports dar. Mit dem Ausblick auf sie und mit ihrer politischen und baugeschichtlichen Einordnung beendete Herr Dr. Kremer seinen fesselnden Vortrag, dem er mit zahlreichen Abbildungen aus seinem umfangreichen Bildarchiv lebhafte Anschaulichkeit verlieh. Seine Ausf\u00fchrungen, die er in der anschlie\u00dfenden Diskussion noch weiter vertiefte, boten ein faszinierendes Bild dieses f\u00fcr die Jenaer Sportgeschichte wie f\u00fcr das Kernbergviertel gleicherma\u00dfen zentralen Geschehens. Umso freudiger darf bereits an dieser Stelle angek\u00fcndigt werden, da\u00df sich Herr Dr. Kremer bereit erkl\u00e4rt hat, in einem weiteren Vortrag auch die Entwicklung des Sports im Kernbergviertel von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart&nbsp; zu behandeln.&nbsp; Als Termin haben wir bei unseren ersten \u00dcberlegungen den Herbst 2020 ins Auge gefa\u00dft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Vortrag dieses Jahres im November soll mit Blick auf das Kernbergviertel dem 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der friedlichen Revolution gewidmet sein. Das genaue Thema und der Termin stehen allerdings noch nicht fest und werden noch rechtzeitig mitgeteilt.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag von Dr. Hans-Georg Kremer am 7. 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